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Simulationen, wo man mit einem Bus Passagiere von A nach B transportiert, auch wenn man Haltestellen von A bis Z anfahren muss, gibt es wie Sand am Meer. Simulationen, wo man allerdings mit recht abstrusen und eigenartigen Herausforderungen zu kämpfen hat, da sie mit einem hohen Grad an Sensibilität glänzen, bilden da eher eine Seltenheit. Konkret geht es um das Spiel „Bus Driver“, welches 2007 von SCS Software entwickelt wurde. Ja, genau von den Herrschaften, die auch für das sehr gute „Euro Truck Simulator 2“ verantwortlich sind. Aber hier geht es nicht um das Original, sondern die drei Jahre später erschienene „Gold“ genannte Version, die neben dem Standard-Umfang ein paar kleinere Extras mitbringt, die man aber hätte genauso gut in ein Update packen können.

Bei aller Merkwürdigkeit: das Spiel kommt mit einer netten Aufmachung. Einsame Busse mit Grinse-Smiley statt Liniennummer fahren durch die schicke Prärie, die die virtuelle Umgebung zu bieten hat. Sonst gibt es ein schlichtes Menü, welches einen bequem die Möglichkeit bietet, zwischen den 6 Stufen auszuwählen (ursprüngliche Version hatte 5), die jeweils 6 Busfahr-Missionen beinhalten. Es gibt ein paar Busse zur Auswahl, doch im Laufe der Zeit kann es vorkommen, dass man den Bus vom Anfang später nochmal hat, jedoch mit einer anderen Route. Es ist allerdings alles von Anfang an freigeschaltet, also kann selbst ein Neueinsteiger mit den schwereren Sachen beginnen. Das nimmt ein bisschen die Spannung auf die späteren Routen.

Hat man den recht kurzen Ladebildschirm überwunden, startet man in den allermeisten Fällen von einem Busbahnhof, wo man vorerst eine gewisse Menge an Leuten abholen muss. Die Passagiere werden abgeholt von Haltestellen, die stark grün leuchten und mit einem Grinse-Smiley einen zum Anhalten bewegen sollen. Grafische Meisterleistungen darf man hier nicht erwarten, denn die Fahrgäste „beamen“ sich in den Bus rein. Immerhin hat man sich darum bemüht, diese im Bus wieder auftauchen zu lassen.

Die Routen werden allesamt getätigt in einer recht großen Stadt, die dem Spieler leider nicht die Möglichkeit gibt, diese frei zu erkunden. Es sei denn, man startet eine Route und fährt nicht die entsprechende. Man kriegt dabei sämtliche Gegenden geboten: Industrie, Altstadt, Flughafen, Schnee etc. Dabei gibt es normalen Personentransport, Schulbusbetrieb, Touristenfahrten oder sogar die Beförderung von Gefängnis-Insassen. Je nach Stufe sind die Routen auch unterschiedlich lang, am Ende erwartet dem Spieler sogar eine komplette Umrundung der Karte.

Die HUD im Spiel wirkt wie das eigentliche Spiel in Breitbild umschlossen von Schildern. Punkte, Gesamtpunktzahl, Karte mit Distanz zur nächsten Haltestelle, wie viele Haltestellen noch kommen mit Countdown, wann man an dieser erscheinen soll, wie viele Leute im Bus sind, wie ihre Stimmung ist, Geschwindigkeit in mph und Drehzahlmesser. Bemerkenswert ist da eine Messung der Bremse. Denn hier muss man vorsichtig mit dieser umgehen. Die Fülle an Informationen haut einem dezent um.

Während der Fahrt wird man mit einer derben Sensibilität des Punktesystems konfrontiert. Gefühlt kriegt man für jede positive Kleinigkeit Punkte. Perfektes Anhalten an einer Haltestelle, das simple Losfahren von einer Haltestelle, das Überfahren einer grünen Ampel, sogar für einen Spurwechsel, den man mit Blinken ankündigt, gibt es Punkte. Gerade dadurch kann man absurd viele Punkte sammeln. Doch man kriegt für einige Sachen auch Minuspunkte. Starkes Abbremsen, was zu einer angeblichen Verletzung der Passagiere führt, Überfahren einer roten Ampel, Unfälle bauen oder Spurwechsel ohne Blinken. Man kann auch an einer Bushaltestelle Passagiere vergessen oder die Tür während der Fahrt öffnen und es gibt Minuspunkte. Baut man zu viel Mist, wollen von etwa 30 Passagieren nicht etwa 3 an der nächsten Haltestelle aussteigen, sondern 30, also alle. Entsprechend ändert sich der Stimmungsbarometer.

Einzige Ausnahme ist da die Beförderung von Gefängnis-Insassen. Dort gelten die Verkehrsregeln nicht und man wird von der Polizei mit Helikoptern begleitet. Hier hält man auch nicht an Haltestellen, sondern passiert Checkpoints. Die Insassen sind von Beginn an in einer miesen Stimmung, baut man allerdings ein paar Unfälle, jubeln diese und die Stimmung geht hoch. Ziemlich dubios.

Einige Routen führen durch Schneegebiete, da greift sogar eine Art Fahrphysik. Lenkt man einmal zu kräftig, schleudert man durch die Gegend und neigt eher dazu, Unfälle zu bauen. Es gibt allerdings nur Reaktionen, wenn man beim „Schleudergang“ einen Unfall baut oder heftig aufschlägt. Wenn man das allerdings gut kontrollieren kann, stören sich nicht einmal die stehenden Fahrgäste. Und ja, es gibt stehende Fahrgäste, wenn keine Sitzplätze im Bus frei sind.

Hat man einmal seine Tour beendet, werden die Punkte zusammengezählt. Diese ergibt sich aus der Anzahl der beförderten Gäste, der eingehaltenen Zeit, der Boni während der Fahrt abzüglich der Strafen. Wer eine vierstellige Punktzahl erreicht hat, wird bejubelt und kriegt einen goldenen Stern für diese Route verliehen, für eine etwas niedrigere Zahl immerhin Applaus und einen blauen Stern. Man müsste aber außerordentlich viel Mist bauen und einige Fahrgäste vergessen, um überhaupt auf negative Punkte insgesamt zu kommen, somit gibt es für Pessimisten keinerlei Bedenken, hier irgendwie ans Verlieren zu denken. Selbst wenn man alle Fahrgäste mitnimmt, sich aber nicht so ganz auf die Verkehrsregeln konzentriert, kann man genug Punkte für einen blauen Stern kriegen. Richtig schwer klingt das nicht.

Schwerer ist es da lediglich, die Fahrgäste allesamt pünktlich an ihren Haltestellen ankommen zu lassen. Bemerkt man das überempfindliche System, wird man schnell merken, dass man im Laufe der Missionen kaum in der Lage sein wird, überhaupt pünktlich ankommen zu können.

Doch wie kann man das Spiel technisch bewerten? Beim Test erwies es sich als stabil, vor allen Dingen die Ladezeiten sind erstaunlich kurz. Grafisch ist es keine Wucht, allenfalls durchschnittlich, aber nicht allzu unterirdisch. Die erste Version beinhaltete nur eine einzige Third-Person-Perspektive, wodurch man allerdings die vorderen Fahrzeuge bzw. die Haltelinie an einer Ampel nicht erkennen konnte, was vom Spiel allerdings durch eine vorübergehende Transparenz des Busses gelöst wurde. In der Gold-Version gibt es nun eine Art Frontscheiben-Perspektive, die vom Spiel allerdings als „Fahrerperspektive“ bezeichnet wird. Sonderlich spannend wirkt sie nicht unbedingt, sie umgeht lediglich das Sichtproblem. Steuern kann man die Kamera nicht.

Die akustische Atmosphäre ist sogar recht gut gelungen, bei entsprechenden Umgebungen passt die Soundkulisse. Am Flughafen hört man Flugzeuge, im Industriegebiet das Zischen der Schornsteine und so weiter. Steigen bzw. „beamen“ sich Kinder in den Bus, hört man auch lachende Kinder. Selbst die Busse klingen außerordentlich realistisch. Nur das Blinkergeräusch ist recht eintönig.

Und die KI? Die macht einen eigenartigen Eindruck. Zwar ist der Verkehr in einigen Teilen recht belebt, selbst andere Busse fahren durch die Gegend. Doch es ist überaus bemerkenswert, wie alle Verkehrsteilnehmer sehr flott an einer Ampel bremsen können. Alleine die Busse praktizieren diese seltsam flotte Bremstechnik, wo bei uns sich die Passagiere über Verletzungen beklagen und panisch rumschreien würden. Selbiges beim Anfahren von einer Ampel, selbst gleich schwere Fahrzeuge wie unseres besitzen fabelhafte Beschleunigungswerte, als würden die einen leichten Kleinstwagen mit sehr vielen PS fahren. Immerhin wechseln sie hin und wieder realistisch die Spur. Nur halten die anderen Busse nicht an den Bushaltestellen. Und Personen? Die sieht man einzig und allein nur an den Bushaltestellen, weshalb nur die Straßen, aber nicht die Gehwege belebt sind.

Fazit

Im „Busfahrer“ genannten Spiel sind wir ein Busfahrer. Nicht mehr, nicht weniger. Man befördert Personen von A nach B und sammelt durch viele Kleinigkeiten Punkte. Da die ganzen Routen bis auf die Beförderung der Gefängnis-Insassen kaum Abwechslung bei der Aufgabe bieten, ziehen sich die insgesamt 36 (im Original 30) Routen wie Kaugummi. Man fährt zwar durch nett aussehende und abwechslungsreiche Gegenden, doch man tut immer das Gleiche. Und in den Missionen passiert auch nichts Spannendes. Für den Durchschnittsspieler ist dieses Spiel nur eine eher langweilige Herausforderung, für Fans von Simulationen dürfte das Spiel gerade wegen der Sensibilität und dem Umfang der Routen schon eher ihren Geschmack betreffen. Der Frust kommt dann eher durch die verschwendete Zeit, nicht durch die spielerischen Macken, die dieses Durchschnittswerk beherbergt.

6 /10

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Bewertung: 5.0/5 (5)
Review: Bus Driver Gold, 5.0 out of 5 based on 5 ratings
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von kepu94 am 4. April 2018.
kepu94 beschäftigt sich auf seinem gleichnamigen YouTube-Kanal über die Technik und Spiele der vergangenen Jahrzehnte. Doch auch in schriftlicher Form ist er als freier Autor unterwegs. Er hat 3 Artikel geschrieben.

Artikel aus Testberichte. Der Artikel wurde 1.054 mal geklickt.

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Kommentare (3) zu Review: Bus Driver Gold

  • Dominik sagte am 07.04.2018 um 23:51:42

      Simulationen sind nicht so mein Ding. Der Artikel ist wirklich sehr gut geschrieben der Inhalt des Spieles kann mich aber nicht so recht begeistern.

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  • Padrino sagte am 04.04.2018 um 23:19:59

      na da muss ich mich jetzt auch mal wieder einloggen … respekt guter bericht. wie gewohnt von der seite 😎

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  • bruc3 sagte am 04.04.2018 um 19:54:39

      Hätte nun schlimmeres erwartet. Auch die Steam-Bewertungen sind gar nicht mal so schlecht 😂😂

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