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21. April 2021
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Zugegeben, ich bin nicht unbedingt ein Freund von Adventures. Meine Faulheit möchte nicht, dass ich beim zocken mein Hirn zu sehr beanspruche. Scheinbar geht es der breiten Masse ähnlich, denn klassische Adventures sind zurzeit nicht sehr große Verkaufsschlager… diplomatisch ausgedrückt. Und doch gibt es einige Genre-Vertreter, die ich liebgewonnen habe. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit, hat Call of the Sea jedoch mein Interesse geweckt und das liegt hauptsächlich an H.P. Lovecraft. Die Parallelen fangen direkt beim Titel an: Eine von Lovecrafts Geschichten trägt den Namen The Call of Cthulhu. Cthulhu ist ein Gott, der auf dem Meeresgrund schläft und die Menschen in ihren Träumen beeinflusst.

Cthu… was?

Diese Kratzspuren sind ein wenig beunruhigend.

Okay, vielleicht sollte ich denen, die Lovecraft nicht kennen, erstmal erklären, worum es geht. Einfach gesagt: Was Tolkien für Fantasy ist, ist Lovecraft für Horror. Beziehungsweise das Untergenre des kosmischen Horrors. Was ist kosmischer Horror? Nun, stellt euch vor, die Menschheit ist so unbedeutend wie ein Sandkorn im Universum. Na ja das fällt relativ leicht weil es irgendwie auch so ist. Aber es handelt sich um ein Universum, welches von göttlichen Wesen bewohnt wird, die unseren jämmerlichen kleinen Verstand so sehr überfordern, dass der bloße Anblick ein paar Sicherungen in unserem Gehirn durchbrennen lässt. Cthulhu ist das bekannteste eines dieser Wesen, und soweit ich weiß nicht mal das mächtigste. Azathoth ist beispielsweise ein schlafender Gott, der die Realität – und alles was sich in ihr befindet – träumt. Sollte er aufwachen, härt sofort alles auf zu existieren. Ein weiteres Element, was vielleicht dem ein oder anderem Bekannt sein könnte, ist das Necronomicon, verfasst von Abdul Alhazred. Dieses fiktive Grimoire hat seinen ganz eigenen Mythos entwickelt… Es wurde von manchen sogar für echt gehalten.
Es ist also keine große Überraschung, dass Lovecraft noch immer Einfluss auf die heutige Popkultur nimmt, auch weit jenseits des Horror-Genres. Nyarlathotep hat es sogar in einen Comedy-Anime geschafft. Es gibt aber sehr viele Games, die von Lovecraft inspiriert wurden, hier ein paar populäre Beispiele: Bloodborne, Darkest Dungeon und Warcraft. Also mal ehrlich… Azeroth… Azathoth. Yog-Saron… Yog-Sototh. Ich vermute mal, Allianz und Horde würden ein ziemlich großes Problem haben, sollte Azeroth jemals aufwachen.
Auch wenn sie sehr beliebt ist, Lovecraft’s Vorlage ist ziemlich schwer umzusetzen. Das liegt in der Natur der Sache: Wie soll ein Mensch etwas darstellen, dass den Verstand eines Menschen in kleine Splitter zerkrümelt? Ich schätze H.R. Giger und Junji Ito bilden eine Ausnahme… Wie stellt man Geometrie dar, die nicht von menschlichem Verstand verarbeitet werden kann? Und im Prinzip ist man schon gescheitert, sobald man als Spieler dagegen ankämpfen kann. Meiner Meinung nach haben das bisher zwei Spiele einigermaßen hinbekommen: Darkest Dungeon, weil dort der Kampf hoffnungslos ist. Das andere ist Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth (nicht verwechseln mit dem Call of Cthulhu-Spiel von 2018)… Okay zugegeben, der Protagonist hält sich relativ lange ziemlich wacker, landet aber trotzdem völlig gebrochen in der Psychiatrie – das ist kein Spoiler, da man den Teil schon ganz am Anfang sieht…
Welche Chance hat also ein buntes Spiel mit Comic-Grafik, welches nicht mal im Horror-Genre zuhause ist?

Horror? Fehlanzeige. Atmosphäre? Top. Hotel? Triviago.

Das Spiel startet sofort in einer Traumsequenz, mitsamt flüsternder Stimmen, die eine Sprache benutzen, die weder für Menschliche Zungen noch für deren Ohren gedacht ist – Quasi eine mündliche Buchstabensuppe.

Außerdem ein ziemlich feuchter Traum… Hehe… Äh… Okay weiter im Text.

Norah, die Protagonistin, erwacht 1934 auf einem Schiff im Südpazifik, auf der Suche nach der verschollenen Expedition ihres Mannes. Diese hatte das Ziel, Norahs seltsame Krankheit zu heilen, die sich unter anderem mit seltsamen, schwarzen Flecken auf ihren Händen bemerkbar macht. Nach einer kurzen Einführungssequenz rudern wir schon auf eine idyllische Insel zu, die so einige Geheimnisse zu bieten hat. Optisch sieht das ganze wirklich klasse aus, grafisch wird das Spiel jedenfalls nicht so schnell altern. Die Story an sich ist ganz gut, aber gewinnt keine Preise. Trotzdem werde ich jetzt nicht spoilern sondern über die Atmosphäre schreiben, die ist nämlich klasse. Ob man nun ein Expeditionslager durchsucht, sich durch den Dschungel schlägt, oder Strom aus einem aufgelaufenen Schiff anzapft. Und nein, ich habe nie sowas wie Angst oder ein anderes beklemmendes Gefühl gespürt. Aber wenn man auf einer stürmischen Klippe eine Orgel ertönen lässt, ist Gänsehaut garantiert… Auch ohne Horror sind Lovecraft’s Einflüsse auf jedem Schritt der Reise zu spüren. Das liegt unter anderem an den Hinterlassenschaften der Expedition, die immer weiter schrumpft – genau wie deren Verstand.

 

Ein guter Adventure-Kompromiss

Nun, es ist vielleicht nicht ganz zulässig, wenn das von mir kommt, aber: Ich denke, dass Call of the Sea sehr gut veranschaulicht, wie ein modernes Adventure aussehen kann. Ich persönlich hasse Alibi-Gameplay wie Quicktime-Events… Oder Entscheidungen die eigentlich keine sind. Am Anfang waren die Telltale-Adventures ja ganz witzig, und die Storys auch gut. Aber trotzdem hat sich das ganze ziemlich schnell abgenutzt. Quantic Dream macht das ganze zwar besser, aber da wird mir zu sehr gebrauch vom Holzhammer gemacht. Manchmal ist weniger eben mehr.


Call of the Sea spielt sich wie ein Kompromiss zwischen alten Adventures und den neuen. Mit einem Inventar voller Items die man eventuell kombinieren muss, brauch man sich nicht zu ärgern. Okay, vielleicht nicht unbedingt das, was der Hardcore-Abenteurer lesen will. Wenigstens stehen aber die Rätsel im Mittelpunkt, nicht irgendwelche seichten Entscheidungen, die keinerlei Einfluss auf die Story nehmen. Gut, die Rätsel sind ziemlich schnell gelöst, durch ein Wunderwerk der Technik: Papier und Stift. Also keine echten, sondern die der Protagonistin. Sie notiert alles im Tagebuch, dabei werden allerdings Geschichte und Hinweise strikt getrennt. So kommt man relativ einfach an die Lösung, sobald man genügend Hinweise gesammelt hat. Okay, zugegeben. An ein oder zwei Stellen habe ich etwas länger gebraucht, als ich zugeben möchte. Trotzdem hatte ich als Rätselmuffel eine ziemlich gute Zeit mit dem Spiel. Wenn ich etwas an dem Spiel auszusetzen habe, dann sind es die Leitern. Es fühlt sich einfach nicht gut an, hoch oder runter zu klettern, und bringt auch keine Immersion, da es ziemlich abgehackt aussieht. Da hätte ich lieber eine kurze schwarzblende mit einem Teleport zum Ende der Leiter. Ich hatte außerdem einen Bug, der mir animierte Zwischensequenzen beim Lesen von Briefen nicht angezeigt hat – was wesentlich schlimmer klingt als es ist.

Also, für wen ist dieses Spiel? Ich würde sagen: Nicht unbedingt für Hardcore-Abenteurer, oder jene die eine offene Welt erkunden wollen. Call of the Sea ist eine kurze, fokussierte, geradlinige Rätsel- und Story-Erfahrung. Ich würde sogar sagen, dass im Sinne eines Adventures nur das nötigste drin ist – was ich persönlich als positiven Punkt sehe. Also für Einsteiger, oder jemanden der ab und zu mal gerne Rätselt und das vielleicht nicht unbedingt auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, gibt’s von mir eine Empfehlung. Ansonsten ist das Spiel noch interessant für jene, die eine gute Atmosphäre genießen wollen oder Fan des Cthulhu-Mythos sind und mal eine etwas andere Version davon sehen wollen. Die Story hat mir schon gut gefallen, war aber nicht weltbewegend und hat mich am Ende nicht so sehr mitgerissen. Aber wie sagt man so schön? Der Weg ist das Ziel.

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Bewertung: 5.0/5 (2)
Call of the Sea: Cthulhu mal anders?, 5.0 out of 5 based on 2 ratings

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von Reddok am 6. Januar 2021.
Reddok fühlt sich in knallharten Action-RPG's wie Gothic und Dark Souls pudelwohl. Schwer? Frustrierend? Egal. Die Herausforderung wird angenommen und überwunden. Mit JRPG's hat er aber nichts am Hut. Er hat 12 Artikel geschrieben.

Artikel aus Testberichte. Der Artikel wurde 2.199 mal geklickt.





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