Mehr Retro

08. Februar 2020
Retro-Test: GTA San Andreas



Neueste Kommentare


GodLike untersuchte Need for Speed III: Patch / ...
am 15. 10 2020
Snake referierte zu Need for Speed III: Patch / ...
am 02. 10 2020
JPGAMES posaunte zu Als die Rennspiele ...
am 23. 07 2020
Ringkrieger erörterte zu LEGO Rock Raiders: Patch for ...
am 21. 07 2020
Penumbra erörterte zu The Nomad Soul: Deutsch Patch ...
am 13. 07 2020
Dominik schwätzte zu Formula Retro Racing – Wer ...
am 13. 07 2020
Dominik kommentierte Unreal Tournament – muss ...
am 14. 06 2020
DoktorTrask posaunte zu Autobahn Raser III: Die ...
am 13. 06 2020
Stanski referierte zu Red Baron 3D: Windows 7, 8.1, ...
am 25. 05 2020

Acht Damen veranstalten in den 70er Jahren mit ihren flotten Schlitten Rennen quer durch die Welt…oder sagen wir mal auf ganzen vier (!!) Strecken. Mit voll aufgedrehten Boxen mit reinster Disco-Musik gehts direkt ins wirre Rennabenteuer. Fiendish Games veröffentlichte im Jahr 2000 den Nachfolger zu „Hot Chix ‚n‘ Gear Stix“, der nur einige Monate zuvor auf den Markt kam. Jetzt gibt es zwei Damen und eine Strecke mehr. Ob es das rausreißt, wird sich zeigen.


„Scharfe Mädels! Heiße Schlitten! Abgefahrene Rennstrecken! Funky Sounds!“ – mit diesem Untertitel wirbt der Publisher „Xtend New Media“ für das Spiel „SuperChix ’76“. Scharf sind die Mädels in der Tat und die Schlitten versprechen definitiv, heiß zu sein. Zu den abgefahrenen Rennstrecken zählen Sherwood Forest, San Francisco, Eilat und Amazonas-Becken, wahnsinnig viele sind es nicht unbedingt. Und „funky Sounds“ gab es in den 70er Jahren mehr als genug.

Zwei Spielmodi stehen zur Auswahl: zum einen gibt es die Rallye, die drei Meisterschaften bereitstellt. Dabei durchläuft der Spieler zwei Runden auf den Kursen. Zwar gibt es pro Meisterschaft drei Rennen, doch bei vier Strecken ist Kreativität gefragt, diese zu füllen. Die Macher haben es einfach gelöst: man fährt hin und wieder die gleiche Strecke…nur rückwärts. Abgefahren! In der anderen Spielmodi fährt man gegen eine Konkurrentin, das Spielgeschehen wird allerdings von vier Polizeistreifen begleitet, genannt „Polizei-Jagd“. Umso mehr Strecken man in der Rallye absolviert hat, umso mehr stehen bei der „Polizei-Jagd“ zur Verfügung.

Für das Rennen wählt man einen Wagen bzw. eine Dame aus. Zu den Damen gibt es Steckbriefe, die auf interessante Art und Weise ziemlich in die Tiefe gehen, sprich es gibt Größe, Gewicht und den Gesundheitszustand. Und natürlich gibt es noch Eigenschaften des jeweiligen Fahrzeugs, dargestellt durch Fahrverhalten, Bremsen, Lenkung und Beschleunigung. Höchstgeschwindigkeit ist da offenbar uninteressant. Hauptsache der Gesundheitszustand ist in Ordnung.

Zu den Strecken gibt es ebenfalls eine kleine Beschreibung und einem Hinweis, wie man dort am besten „verfahren“ sollen. Was allerdings „Lieblings-Braut“ zu bedeuten hat, wissen offenbar nur die Macher selbst. Eventuell sollte man die jeweilige Braut für die Strecke auswählen? Inmitten der Meisterschaft ist es jedenfalls nicht möglich, jedoch davor. Man kann also drei verschiedene Fahrzeuge für die drei Meisterschaften, die es insgesamt gibt, auswählen.

Im Renngeschehen wird man bemerken: grafisch sieht es gar nicht mal so schlecht aus für 2000er-Verhältnisse, lediglich aus der Nähe werden die Texturen ziemlich unappetitlich. Unangenehm ist auch das Verhalten der Kontrahenden. Anfangs sieht es so aus, als würden diese den Weg durchkreuzen wie immer bei einem Rennspiel. Doch dann kommt das eine Fahrzeug von der Strecke ab, das andere prallt gegen einen Baum. Wollte man sich etwa an den Klischees der Frau am Steuer bedienen? Dafür können die Damen flott aufholen, wenn man nicht aufpasst.

Das Streckendesign ist regelrecht langweilig. Zwar gibt es hin und wieder nett anzusehende Sachen wie Wasserfälle, Pfützen oder Kisten mit Kollisionsabfrage, sonst fährt man die Strecke zu Ende und das war es auch. Da die Konkurrenz keineswegs die hilfreichen Abkürzungen nutzen möchte, ist das für die eigene Platzierung ein großer Vorteil. Macht aber das Spielerlebnis und die Schwierigkeit ein wenig kaputt. Ohnehin kommt man nur voran, weil die anderen irgendwo hängen bleiben.

Im Laufe des Rennens wird es viele Rammer geben, die vom Charakter nervig kommentiert werden. Die Sprachausgabe klingt nicht sehr motivierend und man will sie gerne abschalten. Da machen selbst die Pseudo-Dialekte es nicht viel besser. Zumindest beschweren die Damen sich nicht etwa über abgebrochene Fingernägel, sondern darüber, dass sie nicht vorbei können. Schaden können die Fahrzeuge auch kriegen, im Spielverlauf ist mir dieser aber nur bei den hinteren Scheinwerfern aufgefallen, die Risse kriegen können und danach nicht mehr funktionieren. Reparaturen nach dem Rennen braucht es nicht und Powerups gibt es genauso wenig.

Alle Rennen haben nur zwei Runden und brauchen dementsprechend nicht lange. Am Ende werden Punkte für die jeweilige Platzierung vergeben. Um eine Meisterschaft zu gewinnen, muss man nicht zwingend bei jedem Rennen Erster werden. Lediglich viele Punkte werden benötigt, um am Ende der Meisterschaft auf dem Siegertreppchen stehen zu können.

Und dann gibt es den Modus „Polizei-Jagd“. Laut Packung wird ein „rasante[r] Zweikampf“ versprochen, inklusive „Jungs in Blau […], die alles tun, um [einen] auszubremsen und zu stoppen“. Da denkt der Spieletester automatisch an die „Need for Speed“-Teile ab 1998, die mit dem Pursuit-Modus tolle Verfolgungsjagden mit der Polizei abgeliefert haben. Je nachdem, wie weit der Fortschritt im Rallye-Modus ist, gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Strecken zur Auswahl. Die Strecke kann wahlweise auch rückwärts gefahren werden.

Der einzige Unterschied ist: es gibt nur eine wirkliche Gegnerin, gegen die man antreten muss. Sonst gibt es auf dem Kurs vier Polizeiwagen, die entweder versuchen, den Spieler oder die Gegnerin aufzuhalten. Betonung auf „versuchen“. Der Polizei entkommt man ziemlich simpel. Und ist man dennoch umgeben von Polizeiwagen, hat das keinerlei Konsequenzen wie eine Verwarnung oder eine Verhaftung. Sie sind lediglich Störenfriede, die kläglich daran scheitern, ein Fahrzeug außer Gefecht zu setzen. Eingesetzt werden amerikanische Polizeiwagen der 70er Jahre. Auf jeder Strecke.

Das heißt: egal, wo man ist, überall lauert die amerikanische Polizei mit vier Wagen auf uns. Sogar im Sherwood Forest (England), wo komischerweise Rechtsverkehr herrscht. Oder in Eilat (Israel). Einzig in San Francisco macht diese Streife Sinn, doch die wird bei einer vollkommen menschenleeren Stadt ohne Straßenbahnen (aber immerhin mit Straßenbahnschienen) die Atmosphäre nicht aufleben können. Da tue ich mir lieber eine Verfolgungsjagd voller Nervenkitzel im 70er-San-Francisco von „Driver“ (1998) an.

Das Spiel hat man nach nicht einmal zwei Stunden durchgespielt, spätestens nach der Zeit hat man auch alles gesehen, was es zu sehen gibt. Nicht mal witzige Videosequenzen, die bei dem Multimedia-Boom zu der Zeit der letzte Schrei waren, sind enthalten. Am Ende ist man „die Superbraut“. Joa…danke auch. Motiviert total. Immerhin ist es während der Ausführung nicht einmal abgestürzt und lief auf dem Testsystem (Pentium II 350, 256 MB RAM, Voodoo3 3000, Win98SE) nicht ganz ruckelfrei, aber trotzdem spielbar. Erstaunlicherweise veränderte sich die Framerate nicht großartig, als die Auflösung von 640×480 auf 1024×768 Pixel gewechselt wurde.

Fazit

Was an diesem Spiel das Prädikat „super“ verdient, ist das Aussehen der Damen. Sonst haben die Macher sich am Klischee „Frau am Steuer, Ungeheuer!“ bedient, denn so fährt die Konkurrenz durch die Gegend. Die langweiligen und toten Strecken bieten keinerlei Mehrwert, die Spielmodi sind lächerlich und die Fahrzeuge steuern sich allesamt recht seltsam. Nur grafisch gibt es kaum Grund zur Beschwerde und die Berieselung mit einer Mischung aus merkwürdigen Motorensound und 70er-Discomusik ist annehmbar. Sorry Mädels, aber das Spiel ist alles andere als „super“.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 5.0/5 (3)
Retro-Check: SuperChix '76, 5.0 out of 5 based on 3 ratings

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von kepu am 5. April 2020.
kepu beschäftigt sich auf seinem YouTube-Kanal "kepuexe" über die (PC-)Technik der vergangenen Jahrzehnte. Doch auch in schriftlicher Form ist er als freier Autor unterwegs. Er hat 11 Artikel geschrieben.

Artikel aus Retro. Der Artikel wurde 1.271 mal geklickt.

Spiele:





Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar zu schreiben

Ein Kommentar zu Retro-Check: SuperChix ’76.

  • DoktorTrask sagte am 07.04.2020 um 12:46:34

      Ich hatte das damals ganz gerne auf meinen schon etwas in die Jahre gekommenen Windows 95 Rechner gespielt, aber schon ab mein Windows 98 SE PC bekam ich es dann nicht mehr zum laufen, daran hat sich bis heute auch nichts mehr geändert.

      VN:F [1.9.22_1171]
      0 | 0