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Das Jahr 1999: zwei Shooter streiten sich gegen Ende des Jahres um den FPS-Thron, nämlich Quake 3: Arena und Unreal Tournament. Während beide Spiele sich nicht viel nehmen und zurecht als Klassiker gelten, die bis heute gerne gespielt werden (ich bin da aber eher „Team Unreal Tournament“), teilten sie sich das traurige Schicksal, auf die Liste der jugendgefährdenden Medien – dem berühmt berüchtigten Index – aufgenommen zu werden. Quake 3 wurde bereits im Januar 2000 indiziert, Unreal Tournament folgte erst zwei Jahre später im Februar 2002. Auf dem Index sind beide Spiele bis heute.
Für Unreal Tournament möchte ich mich daher auf die Suche nach der Antwort für eine Frage begeben, die ich aus meiner Sicht sicherlich nur Subjektiv beantworten kann: Ist die Indizierung heute noch gerechtfertigt?
Ich möchte hierbei darauf hinweisen, dass ich mich als eine durchaus gefestigte Person sehe, die sich bereits vor dem 18. Lebensjahr mit dem Thema „Indizierung“ befasst hat. Ich war mir den Unterschied zwischen virtueller und realer Gewalt somit schon früh bewusst.
Zum anderen möchte ich darauf hinweisen, dass entgegen eines recht beliebten Irrglaubens eine Indizierung kein Verbot per se ist. Der Kauf, Besitz und Konsum ist weiterhin erlaubt; die Ausstellung in Kaufhäusern und die Zugänglichmachung an Minderjährigen ist allerdings untersagt.

 

Zum Spiel

Unreal Tournament gehört zur Gattung des Arena-Shooters. Kleine bis Mittelgroße in sich abgeschlossene Areale stehen hier im Vordergrund. Der Shooter hat ein SciFi-Szenario und spielt im Jahr 2341, auch wenn hier die Handlung natürlich im Hintergrund steht und ein Singleplayer abgesehen von wenigen Missionen, die als Übung für den Multiplayer dienen, nicht vorhanden ist.

 

Das Spiel erklärt seine Rahmenhandlung folgendermaßen:

In 2291, in an attempt to control violence among deep space miners, the New Earth Government legalized no-holds-bared fighting. Liandri Mining Corporation, working with the NEG, established a series of leagues and bloody public exhibitions. The fights‘ popularity grew with their brutality. Soon, Liandri discovered that the public matches were their most profitable enterprise. The professional league was formed; a cabal of the most violent and skilled warriors in known space, selected to fight in a Grand Tournament. Now it is 2341. 50 years have passed since founding of DeathMatch. Profits from the Tournament number in the hundreds of billions. You have been selected to fight in the professional league by the Liandri Rules Board. Your strength and brutality are legendary. The time has come to prove you are the best. To crush your enemies; to win the Tournament.

 

UT startete in der Entwicklung als ein geplantes Addon zum im vorherigen Jahr veröffentlichten  und wurde letztendlich als Spin-off im November 1999 veröffentlicht. Ports für die PlayStation 2 und Dreamcast folgten 2000 und 2001. Laut den Verpackungen wurde das Spiel in allen Versionen von der USK ab 18 freigegeben. Indiziert wurden laut Schnittberichte.com die PC- und PlayStation2-Version. Epic veröffentlichte – anders als bei seinen Nachfolgern – keine für den deutschen Markt abgeänderte Version.

Das Gameplay ist schnell und wird durch den Soundtrack ordentlich mitgetragen. Man findet sich sehr schnell zurecht. Neben den klassischen Deathmatch und Capture the Flag Modi gibt es auch Assault sowie Domination.

 

Die Gewalt

In den Optionen kann die Gewalt auf drei Stufen eingestellt werden: Ultra-Low, Reduced und Normal.

Auf Ultra-Low sind jegliche Gore Effekte deaktiviert und Gegner hinterlassen bei Beschuss nur kleine grünliche Blutwölkchen. Todesschreie sind allerdings vorhanden, diese scheinen hierbei die Standardschreie der Unreal Engine zu sein und können auch so bei Deus Ex gehört werden.

Auf Reduced kommen neben den Blutwölkchen und Todesschreien noch rote Blutspritzer hinzu, die allerdings nirgendwo liegenbleiben.

Auf Normal erhält man das volle Programm: Blut bleibt an den Böden und Wänden kleben und Körper können bei Raketenbeschuss in mehrere Teile zerbersten. Die Todesschreie tun dabei ihr übriges. Es ist somit absolut kein Spiel, was in die Hände von einem 12jährigen gehört. Ab 14-15 Jahren könnte man darüber reden, sofern der jeweilige Spieler geistig gereift ist.

 

Warum wurde Unreal Tournament indiziert?

Ich habe hierzu bei der BPjM nach dem Indizierungsbericht gefragt und werde ihn, sobald und sofern er mir zur Verfügung gestellt wird, in diesem Artikel einarbeiten. Derzeit kann ich die Gründe nur vermuten.

Anhand des Gameplays und der Rahmenhandlung, dass das Töten in einem sportlichen Wettkampf in den Vordergrund stellt, in Verbindung mit der audiovisuellen Gewaltdarstellung, vermute ich, dass dies der BPjM Anno 2002 ein Dorn im Auge war. Der Ansager kommentiert zudem Besonderheiten im Laufe eines Matches, etwa, wenn man mit dem Sniper Gewehr einen Kopfschuss erzielt („Head Shot“), mehrere Gegner schnell hintereinander tötet („Double Kill“; „Multi Kill“), oder eine Serie am Laufen hat („Killing Spree“). Zudem gibt es eine Art „Two-Minute-Warning“ und ein Countdown der bei zehn verbleibenden Sekunden die Zeit runterzählt.

Brutale Wettkämpfe, um die Massen ruhigzustellen, ist etwas, dass man mit den Gladiatorenkämpfen im alten Rom kannte und was auch so bei Filmen wie Rollerball und Death Race 2000 (beide 1975) behandelt wurde. Bei Computerspielen hingegen ist man nicht der passive Zuschauer, sondern wird selbst in die Rolle des Gladiators gesteckt. Rollerball und Death Race 2000 verstehen sich beide allerdings als Medienkritik, was man von Unreal Tournament nun schwer behaupten kann, da in erster Linie der Spielspaß im Vordergrund steht.

Ein weiterer wichtiger Faktor dürfte die Zeit sein, in der das Spiel indiziert wurde, da es mitten in der aufkommenden Killerspieldebatte auf dem Markt kam, die nach dem Amoklauf an der Columbine High School sowie in Bad Reichenhall (beide 1999) nach und nach entfachte. Der Amoklauf in Erfurt folgte erst zwei Monate nach der Indizierung von Unreal Torunament. Vermutlich spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle.

Eine viel größere Rolle spielt dabei wohl die Alternativlosigkeit des Tötens, die auch schon bei zuvor indizierten und nun „freien“ Spielen wie Doom, Quake, Wolfenstein 3D, Duke Nukem 3D usw. bemängelt wurde.

 

Sollte Unreal Tournament nach wie vor indiziert bleiben?

 

Kommen wir nun zu der in der Überschrift gestellten Frage. Aus meiner rein subjektiven Sicht als Spieler sage ich: Nein, die Indizierung von Unreal Tournament ist nicht mehr zeitgemäß. Dazu spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Zum einen wären da die vorausgegangenen De-Indizierungen des vergangenen Jahrzehnts: alle vorher erwähnten Spiele wurden im Laufe der letzten zehn Jahre vorzeitig auf Anfrage der jeweiligen Rechteinhabers von der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen (eine Indizierung ist normalerweise 25 Jahre gültig). Doom 1 und 2, sowie Quake wurden bereits 2011 de-indiziert – beide Doom Teile wurden ebenfalls von der USK ab 16 freigegeben. Duke Nukem 3D folgte 2017, Quake 2 und Wolfenstein 3D wurden 2019 vom Index „befreit“. Wir leben in einer komplett anderen Zeit mit einer anderen Sichtweise auf Gewalt in Filmen und Spielen. Was früher blankes Entsetzen auslöste, wird heute meist mit einem Schulterzuck betrachtet.

Zum anderen wären da weitere Spiele auf Basis der ersten Unreal Engine, nämlich Unreal selbst und das erste Deus Ex. Beide Spiele haben ein vergleichbares Maß an Gewalt und wurden nicht indiziert. Für Unreal entschied man sich, eine für den deutschen Markt entschärfte Version zu veröffentlichen, vertrieb aber gleichzeitig die Originalversion. Deus Ex wurde ungeschnitten ohne eine zusätzliche Version veröffentlicht und ab 18 freigegeben. In beiden Spielen ist Blut und Splatter zu sehen und die zuvor erwähnten Todesschreie sind auch bei Deus Ex zu hören. Im Fall von Deus Ex sollte man aber noch erwähnen, dass das Spiel den Spieler nicht in Kämpfe zwingt und auch nicht-tödliche Gewalt angewendet werden kann.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Jugendschutz liberaler wurde. Eine nette Überraschung war dabei, dass die BPjM 2015 auf die Indizierung von Mortal Kombat X verzichtete, nachdem die USK dem Spiel zuerst die Freigabe verweigerte. Der neuste Ableger der Reihe, welcher 2019 veröffentlicht wurde, schaffte es ohne vorheriger Prüfung bei der BPjM, bei der USK Uncut ab 18 freigegeben zu werden. Mit Mortal Kombat 1 und 2 wurden im April 2020 die Ur-Teile vom Index gestrichen. Bei Mortal Kombat 3 hob man die Beschlagnahmung auf.

Sollte sich Epic Games also nicht dazu entscheiden, bei der BPjM eine Anfrage auf vorzeitige Listenstreichung einzureichen (darf man als Rechteinhaber frühestens zehn Jahre nach der Indizierung), bleibt Unreal Tournament bis mindestens 2027 indiziert. Ab dann prüft die Behörde von sich aus, ob die Indizierung noch zeitgemäß ist.

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Bewertung: 5.0/5 (1)
Unreal Tournament – muss das noch indiziert sein?, 5.0 out of 5 based on 1 rating

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von FloosWorld am 9. Juni 2020.
Flo ist für seine unbeschreibliche Hingabe zur Age-of-Empires-Reihe und Rennspielen berühmt berüchtigt und füttert REPLAYING.de nach Lust und Laune mit coolen Beiträgen zu diesen Rubriken. Seine Pseudonyme ClassicGameingFan oder FloosWorld nutzt er auch auf seinen gleichnamigen YouTube-Kanälen - Vorbeischauen lohnt sich! Er hat 37 Artikel geschrieben.

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Ein Kommentar zu Unreal Tournament – muss das noch indiziert sein?.

  • Dominik sagte am 14.06.2020 um 19:06:50

      Das war schon damals der Hammer als Köpfe und Torsos durch die Gegend flogen.War aber den Grad irgendwie schon gewohnt durch Quake und Half Life. Wir hatten UT noch ewig lang bis in die 2004er auf LANS gezockt. UT 2004 kam da nicht mehr ran trotz der vielen Neuerungen mit Fahrzeugen usw. Schönes Spiel in schöner Erinnerung an eine schöne Zeit.

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