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Der Begriff „Lokalisierung“ beschreibt die sprachliche und kulturelle Anpassung an den Zielmarkt. Sie stellt sicher, dass alle Teile eines Videospiels, von der Verpackung bis zur Software, optimal angeglichen sind. Wenn man ein Spiel eines westlichen Herstellers auf den asiatischen Markt bringen will, ist es wichtig zu bedenken, dass es sich hierbei um zwei grundlegend verschiedene Kulturen handelt, was sich auch in der Gameszene bemerkbar macht. Während es sich bei westlichen Kulturen um Low-Context Kulturen handelt, sind asiatische Kulturen High-Context Kulturen. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, dass westliche Kulturen sehr vom Individualismus geprägt sind, wohingegen in asiatischen Kulturen der Kollektivismus eine große Rolle spielt. Sie heben sich in weiteren maßgeblichen Punkten voneinander ab, was bei der Lokalisierung eines Videospiels unbedingt zu berücksichtigen ist.

Der asiatische Markt bietet Unternehmen aller technischen Bereiche vielfältige Möglichkeiten. Zum einen lebt mehr als die Hälfte der gesamten Erdbevölkerung auf diesem Kontinent und zum anderen verfügt ein Großteil über einen Internetanschluss. Will man einen der zahlreichen Märkte auf dem asiatischen Kontinent erobern, muss man sein Unternehmen und seine Produkte darauf abstimmen. Das gilt auch bei der Vermarktung von Videospielen, die mithilfe von Lokalisierungen an den jeweiligen Markt angepasst werden können.

Sprachliche Lokalisierung

Ein erster wichtiger Schritt bei einer Lokalisierung ist die sprachliche Adaption, die unter anderem Verpackungstexte, Produktbeschreibungen und Untertitel umfasst. In Asien werden hunderte von Sprachen gesprochen. Wer sich entscheidet, ein deutsches Spiel in Japan zu veröffentlichen, wird Texte im Videospiel übersetzen lassen müssen. Eine korrekte Übersetzung sollte eigentlich selbstverständlich sein, wenn man im Zielland Eindruck machen will.

Das gelingt jedoch nicht allen Herstellern. Immer wieder unterlaufen den Übersetzern Fehler, die entweder einfach nur falsch oder unfreiwillig komisch sind. „27th of Letzter Samen”, lautet die übersetzte Version der Datumsangabe in der deutschen Version des Spiels „The Elder Scrolls 4: Oblivion“. Hier hat der Übersetzer einen Fehler gemacht, die Übersetzung ist einfach falsch. Über solche Fehler kann ein Spieler eventuell noch hinwegsehen, da sie keinen Einfluss auf das Spielvergnügen haben. Weitaus gravierender sind Fehler, die dem Spieler den Spielspaß verderben, weil er aufgrund der falschen Übersetzung nicht im Stande ist, das Ziel des Spiels zu erfüllen. Wer in „Ravenhearst 2“ einen „Kompass“ sucht, eigentlich aber einen „Zirkel“ finden soll, ist enttäuscht und bricht das Spiel unter Umständen ab. Dabei ist dem Übersetzer nicht einmal unbedingt ein Vorwurf zu machen, da das englische Wort „compass“ gleichzeitig „Kompass“ und „Zirkel“ bedeutet.

Wenn es um Spielanweisungen geht, sind diese in Deutschland meist sehr genau, sodass der Spieler diese auch gut befolgen kann. In Asien dagegen, in High-Context Kulturen, ist Kommunikation viel subtiler, was man beim Lokalisierungsprozess auf alle Fälle miteinbeziehen sollte.

Lokalisierung von Animationen, Grafiken, Audio- und Videoinhalten

Ein weiterer Teil der Lokalisierung ist die Zusammenarbeit zwischen Programmierern, Grafikern und Übersetzern. Programmierer sollten Textinhalte nicht hart kodieren, sondern über Datenbanken in das Programm einfließen lassen. Das erleichtert die Arbeit des Übersetzers enorm. Auch bei In-game Texten ist die Zusammenarbeit zwischen Übersetzer und Programmierer sehr wichtig. Erhält man in einem In-game Text nur noch die Hälfte der ursprünglichen Spielanweisung, ist das nicht gerade förderlich für den Spielspaß. Während ein in Deutschland produziertes Videospiel bei Animationen meist gediegener wirkt, sind ihre angepassten asiatischen Pendants meist reicher an Animationen.

High-Context Kulturen bevorzugen viele Animationen und können mehr grafische Inhalte verarbeiten, da sie sich die benötigten Informationen selbst suchen. Bei Spielcharakteren scheiden sich ebenfalls die Geister. Japaner beispielsweise ziehen kindlichere Charaktere vor, wohingegen westliche Spieler ältere Figuren bevorzugen. Daher werden Charaktere des westlichen Markts oft einem Verjüngungsprozess unterzogen. Das ist beispielsweise beim deutschen Browserspiel „Grepolis“ der Fall. In Europa führt ein betagter Odysseus durchs Spiel, in Japan dagegen ist es die junge, leichtbekleidete Psyche.

Kulturelle und Rechtliche Anpassungen

Beim Lokalisierungsprozess eines Videospiels sollten auch kulturelle Eigenheiten berücksichtigt werden. Während in Deutschland Rechtsverkehr herrscht, fährt man im Land der aufgehenden Sonne nämlich links. Bringt man ein Autorenspiel heraus muss man das beachten, um größten Spielspaß zu garantieren.

Auch historisch behaftete Symbole und Inhalte sollten angepasst werden. In der japanischen Version des Videospiels „Fallout 3“ zum Beispiel wurde aus Rücksicht auf die Opfer der Bombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki die Mission weggelassen, in der eine Stadt durch eine Atombombe zerstört wird. Neben kulturellen Besonderheiten sollte man auch staatliche Rechtsinstanzen stets auf dem Radar haben. Wer als Game-Hersteller staatlich-rechtliche Stellen ignoriert, kann sich seine Umsatzchancen ganz schnell verbauen. Hierzu gehören zum Beispiel Altersbeschränkungen, die von Land zu Land variieren und unbedingt beachtet werden müssen.

Es gibt auch auf dem asiatischen Markt Regeln, an die man sich strikt halten muss. In China beispielsweise ist die Darstellungen von Skeletten und Knochen in Videospielen strengstens untersagt, sie müssen in China „angezogen“ werden. Will man also ein Videospiel lokalisieren sollte man sich bereits im Voraus genau überlegen, welche Teile man adaptieren möchte.


Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das sich auf Website-Übersetzung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.
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Bewertung: 5.0/5 (2)
Lokalisierung von Videospielen – mehr als eine Notwendigkeit, 5.0 out of 5 based on 2 ratings
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht von Lingo24.com am 25. April 2013.
Er hat 1 Artikel geschrieben.

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Kommentare (2) zu Lokalisierung von Videospielen – mehr als eine Notwendigkeit

  • DoktorTrask sagte am 03.02.2014 um 09:05:06

      Das hat dort irgendwas mit Aberglaube zu tun, eigentlich ja ziemlich albern aber das ist unsere Blutzensur, die Drogen/Medikament-Zensur der Australier und die Nackedeizensur der Amerikaner auch.

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  • User 205 sagte am 26.01.2014 um 16:20:54

      Warum dürfen in China keine Knochen und Skelette gezeigt werden?

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