Orcs Must Die


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Der durchschnittliche Rollen- und Fantasyspieler hat es alltäglich mit Orks zu tun. Große Freunde dieser Rasse werden Orcs Must Die! (Orks müssen sterben!) vermutlich verfluchen, denn hier gibt es nur ein Ziel: Die kleinen, dummen, grünen Orks, so zumindest die Hauptmerkmale in Orcs Must Die!, mit allen nötigen Mitteln zurück in die Hölle schicken.

Die Welt liegt in den Händen eines dämlichen Lehrlings

Orcs Must Die! stellt einen gekonnten Kompromiss aus Tower Defense und 3rd-Person-Action dar. Und von Tower Defense darf man natürlich keinen allzu komplexen Handlungsstrang erwarten: Das ist auch gut so, denn mit viel Humor geht’s eben auch. „300 Jahre kämpfte ich für den Orden, gegen die Orks. Und so endet es nun. Ich rutsche auf Kobold-Blut aus und schlage mir den Schädel an einer Stufe ein. Und die Aufgabe, diese Festung zu verteidigen fällt an meinen … *seufz* … Lehrling. Dann war’s das also: Die Welt wird untergehen.“ Die mimische Darstellung des im Intro gezeigten Lehrlings spricht für sich: siegessicher, naiv und großmäulig. Erwartungsvoll schlüpft Ihr auch schon in die Rolle des Lehrlings. „Nun hängt alles von mir, Ruhe in Frieden alter Mann. Das Wichtigste zuerst: Mal sehen, was das Zauberbuch zu bieten hat.“ Eure erste Aufgabe also: Einen Blick ins Zauberbuch Eures alten Meisters werfen. Wer jetzt denkt, Feuerbälle und Eispfeile im Buch der Magie zu finden, liegt falsch. Giftstachel, Teerfalle und Pfeilwände beherbergt das Buch des weisen Zauberers. Gut, dann platzieren wir eben vor dem, in der Karte gekennzeichneten, rappelnden Tor ein paar Giftstachel per Klick. Denn hier wird die Horde Orks wohl durchbrechen. Das Spiel geizt an keiner Stelle mit Humor, weshalb Kommentare des dämlichen Protagonisten wie „Ich dekoriere ein wenig um.“ oder „Wie Baldrian … nur für Orks.“ immer sehr gelegen kommen. Nach einigen Metern in die entgegengesetzte Richtung folgt ein engerer Korridor. Ein geeigneter Platz für ein paar Pfeilwände, die die Orks so richtig durchlöchern werden! Nach ein paar weitere Schritte stehen wir auch schon unmittelbar vor dem Portal zur Erde, was um jeden Preis vor dem Eindringen der Orks verteidigt werden muss. Das Geld, so wird es im Spiel auch bezeichnet, genügt noch für zwei Felder Giftstacheln vor dem Portal; also platzieren wir sie. Das Portal ist nun ausreichend geschützt, jetzt nur noch die magische Armbrust zücken und die Horde entfesseln!

Spaßige Metzelei

Während dem Erklingen der atmosphärisch absolut passenden Musik durchdringen die grünen, kleinen Orks auch schon das Tor zu unserer kerkerartigen Festung. Der erste Plan ist aufgegangen und wird belohnt: Die voranstürmenden Orks trampeln gerad’wegs in unsere Stachelfallen und segnen das Zeitliche, natürlich völlig sinnfrei jedoch aberwitzig kommentiert mit Sprüchen wie „Muss ich das Parkgeld noch zahlen?“, „Nicht schon wiedeeeeer …“ oder „Eigentlich bin ja nur ein Halb-Ork …“. Die Orks nähren sich weiter dem Portal, ganz im Stil bekannter Ego-Shooter visieren wir mit unserer magischen Armbrust den Kopf der glibrigen Orks an und erlangen fürs Treffen sogar ordentlich Boni. Immer weniger Orks sind vor uns sichtbar, weitere werden durch unsere natürlich ausgeklügelt positionierten Pfeilwände in feinster Manier durchlöchert, was nicht nur witzig anzusehen ist sondern durch tolle Soundeffekte auch schön fies klingt. Puhh, keine Orks mehr übrig, genügend Geld für weitere Fallen und die nächste Welle droht in 15 Sekunden einzumarschieren. Schnell noch ein paar Pfeilwände und Giftstachel an geeigneten Stellen platzieren und die nächste Welle überstehen. Durch die höhere Anzahl der Fallen war die zweite Welle ein Zuckerschlecken und der Level ist geschafft!

Runen, Fallen und Co.

Nach einem kleinen Breakdance des Helden können wir nun die gewonnenen Schädel, die sich aus der Punktzahl ergeben, für Verbesserungen der Fallen ausgeben. Die Pfeilwände erzielen bei Verbesserung beispielsweise eine höhere Reichweite. Ein Top-Ergebnis wird mit maximal fünf Schädeln pro abgeschlossenen Level belohnt. Die vorhandenen Fallen lassen sich natürlich nicht nur verbessern, auch neue Fallen erlangt Ihr bei Abschluss einer Missionen. Den Entwicklern sind die Ideen keinstenfalls ausgegangen: Alle Fallen haben völlig unterschiedliche Funktion und können taktisch verschieden, je nach Aufbau der Festung, eingesetzt werden.

Das Zauberbuch umfasst insgesamt 30 Slots für Fallen und Zaubersprüche wie eine Windfaust, die Orks durch die Gegend wirbelt und bei gekonntem Einsetzen in Abgründe stürzt. Die Runen sind während einer Schlacht aus der 3rd-Person-Perspektive per Mausklick jederzeit einsetzbar. Später dürft Ihr sogar Kontakt zu Weberinnen aufnehmen, die Euch gegen Bezahlung im Kampf einige Vorteile verschaffen. Krieger und Bogenschützen dürft Ihr an beliebigen Stellen beschwören, wenn Ihr die Runen erhalten habt. Sehr schön: Einige Missionen sind für Bogenschützen oder Fußsoldaten konzipiert, sodass sie auf Türmen oder Podesten perfekt platziert werden können. Der Schwierigkeitsgrad von Orcs Must Die! steigt ab dem ersten Level der insgesamt 24 kontinuierlich an. Die Spielzeit beträgt etwa sechs Stunden. Zwar stehen Euch immer mehr Zaubersprüche und Fallen zur Verfügung, die gegnerischen Horden hingegen erweitern sich ebenfalls um einige schwer bezwingbare Gegnertypen wie starke Oger oder Kobolde, die ratzfatz das Portal durch ihre hohe Geschwindigkeit erreicht und passiert haben. Das alles trägt sehr zur taktischen Vielfalt von Orcs Must Die! bei: Für jedes Level könnt und müsst Ihr individuelle Taktiken entwickeln um die Horden in Schach zu halten. Nach Abschluss aller Missionen schaltet Ihr den letzten Schwierigkeitsgrad frei. Kurze Wartezeiten zum Platzieren neuer Fallen zwischen den Wellen entfallen nun und die Anzahl der tragbaren Zaubersprüche wird reduziert. So müsst Ihr gut entscheiden, welche Zaubersprüche Ihr aus dem Zauberbuch für die Mission auswählt.

Orcs Must Die! sprüht leider nicht nur von guten Seiten. Jammerschade ist’s um den fehlenden Multiplayer, denn die Jungs von Robot Entertainment (ehemals Ensemble Studios) haben Erfahrung mit guten Multiplayer-Konzepten. Die stilsicheren aber sehr abwechslungsarmen Festungen hat man sich nach einiger Zeit satt gesehen. Ein paar mehr Szenarien hätten Orscs Must Die! den letzten Feinschliff verpasst. Wer jetzt noch auf einen komplexen Handlungsstrang verzichten kann und für Tower Defense etwas übrig hat, bekommt mit Orcs Must Die! einen rundum sehr gelungenen Titel.

Mein Fazit

Soviel Spiel für gerade mal 14€,-? Das hat’s schon lange nicht mehr gegeben. Die spärliche Story und die abwechslungsarmen Level macht das humorvolle Spielkonzept allemal wieder wett. Level für Level mehr Möglichkeiten, die Horden zurück in die Hölle zu befördern. Das Leveldesign und der Einfallsreichtum der Entwickler machen‘s möglich. Orcs Must Die! ist für Taktiker und Metzger gleichermaßen wahrlich ein Fest.

durchdachtes Leveldesignein Multiplayer wäre wunderbar gewesen
viele Fallen, taktisch einsetzbarKerkerfestungen bleiben grafisch eintönig
Zaubersprüche und magische WaffenCharaktere bleiben blass
hohe Spieldauerquasi Verzicht auf eine Story
passender Comic-Look
grenzenloser Humor
ein etwas anderer Held
witzig-unterhaktende Hintergrundmusik
Mitmengen in den Schnetzelorgien!

Lange nicht mehr so viel Spaß mit Orks gehabt!

8 /10

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 4.0/5 (4)
Orcs Must Die!: Testbericht, Review, 4.0 out of 5 based on 4 ratings
Profilbild von Malte von Malte am 6.November 2011   Orcs Must Die, Testberichte in der Datenbank! « 2.361 Klicks

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